Viele haben uns sicher schon von der Alma oder auch von Örebro reden gehört. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Bei unseren ganzen Schwedenvorbereitungen hatten wir auch immer wieder mal überlegt, wie es denn wäre ein kleines Häuschen in Schweden zu besitzen. So kam es, dass ich immer mehr Freude daran hatte auf unterschiedlichen Plattformen nach Hausangeboten zu schauen. Und so stieß ich bei eBay Kleinanzeigen auf Ingas Anzeige. Sie hat ein kleines Häuschen in der Nähe von Örebro geerbt. Das Häuschen mit großem Garten braucht hier und da ein wenig Pflege und Ausbesserungsarbeiten. Da Inga mit Ihren 4 Kindern aus der Nähe von Dresden nicht allzuoft nach dem Häuschen schauen kann, suchte sie Menschen, die dort ihre Zeit verbringen möchten und dafür ein wenig nach Haus und Garten schauen könnten. 
Das hörte sich fantastisch an! Eine Anlaufstelle, ein Dach über dem Kopf, falls es im Bus mal zu eng wird… auch die schöne Art wie Inga alles beschrieb gab uns das Gefühl, dass ist etwas für uns. Nach einem schönen Telefonat beschlossen wir uns das Häuschen in unseren Winterferien, die wir sowieso in Schweden verbringen wollten, einmal anzuschauen. 
Und so fuhren wir von unserem Winterdomizil bei Karlstad in Richtung Örebro! Es war ein matschig grauer Wintertag, als wir das erste mal in die Einfahrt des Almasväg fuhren. 
Ehrlich gesagt, hat es uns gar nicht angesprochen. Das Häuschen, von Inga liebevoll die Alma genannt, lag in einer kleinen Wohnsiedlung, zwar ganz in der Nähe eines Sees – doch das Haus wirkte auf uns sehr düster und verlassen. Es ist mit dunkelbrauner Farbe angestrichen, rund um das Grundstück stehen meterhohe Fichten. Doch was uns vom ersten Augenblick gefiel, waren die Fußabdrücke eines Fasans sowie Rehspuren und das inmitten einer Wohnsiedlung. Ok, ein Traumhaus ist es nicht – wir wollen uns das Ganze trotzdem auch noch im Sommer anschauen. 


Gesagt getan im August 2022 starteten wir unsere Schwedentour und um Inga und ihre Familie auch noch live kennenzulernen fuhren wir direkt zur Alma. Da war eindeutig was passiert; der Garten war so schön grün und zugewachsen, es gibt unglaublich viele Vögel, die sich um den kleinen Tümpel im hinteren Teil des Gartens versammeln, Wildkräuter und Blumen, Insekten…
Wir hatten noch ein paar schöne Tage mit der Familie und nach ihrer Abreise begannen wir das Häuschen ein bisschen zu unserem zu machen. Sauber machen, Fenster putzen, Sofaüberwürfe besorgen… es ist schon irgendwie komisch, wenn man in einem Haus ist, in dem viele Jahre ein uns fremder Mann wohnte und er uns überall begegnet. Immer wieder hatten wir das Gefühl, dass wir Herrn H. immer besser kennenlernten – er aber gar nichts von uns weiss!
Ja, wir haben die Alma auch in unser Herz geschlossen. Es ist der Ort, nach dem wir uns sehnen, wenn wir genug haben vom Autofahren, wenn es draußen nass und kalt wird, wenn wir das Bedürfnis haben gerne irgendwo zu Hause zu sein oder gerne ganz unkompliziert eine Küche oder ein Badezimmer benutzen möchten… Es wird uns aber auch immer schnell zu eng, dann müssen wir wieder losziehen. Vor allem wenn uns die Nachbarn erklären, dass man hier in der Wohnsiedlung den Kamin nicht zum eigentlichen Heizen des Hauses verwenden darf. Nur zweimal die Woche für je 4 Stunden ist es erlaubt den Kamin anzuzünden. Aus Rücksicht den Nachbarn und der Natur gegenüber! Wir konnten es nicht glauben, aber es stand tatsächlich auf der Webseite der Komun Örebro. Unglaublich.


Wir haben aber auch andere Nachbarn wie Mirko. Er versorgt uns mit Johannisbeerwein, im Sommer mit Gemüse aus dem eigenen Garten und leiht uns hier und da mal eines seiner Gartengeräte. Die Unterhaltung mit Mirko und seiner Frau ist köstlich. Eine Mischung aus Deutsch, schwedisch, slowenisch, schwiizerdütsch und vielen Gesten und Gebärden. Wir haben uns schon richtig liebgewonnen!

Im Sommer 2022 haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Garten bzw. die Wiese wieder zu einem begehbaren Stück Wiese zu machen. Wir wissen nicht wie viele Jahre das Gras im Sommer gewachsen ist und im Winter vom Schnee niedergedrückt wurde, dann wieder gewachsen und noch ne Schicht niedergedrückt…! Stundenlang sind wir mit dem Freischneider durch den Garten. Wir haben wieder mal bemerkt, wie gerne wir mit den Händen arbeiten. Wie schön es ist am Abend zu sehen was man gemacht hat. Sobald wir uns ein Fleckchen schön gemacht haben sind wir mit dem Gartentisch und zwei Stühlen mittenrein gesessen und haben mit Zimtschnecken oder selbstgemachtem Apfelkuchen Fika gemacht. Die typisch schwedische Kaffeepause, wovon es am Tag naturgemäss unzählige gibt.


Ganz besonders genießen wir natürlich den See, welcher nur 300m von uns entfernt ist. Eine schön angelegte Badestelle für die Anwohner mit Steg, kleinem Sandstrand, Floss und Feuerstelle. Bei der Überlegung See oder Duschen entscheiden wir uns meißt für den See. Auch die Schweden sind so richtige Wasserratten. Auch bei bewölktem Himmel oder Nieselregen findet man hier Kinder wie Erwachsene im Wasser. 
Die Umgebung um unseren Badeplatz wurde zu Leas neuem Einkaufszentrum. Eine riesige naturbelassene Wiese, die nur von ein paar Schafen abgeweidet wird. Hier wächst so allerhand! Im Herbst ging Lea nie ohne Baumwolltasche zum See – immer fand sie etwas zum Ernten. Brennesseln und deren Samen, Hagebutten, Goldruten, Wacholderbeeren und -zweige, Birkenporlinge, Trompetenpfifferlinge, wilde Äpfel, Holderbeeren… alles wurde gesammelt, zu Sirup, Tee oder Räucherbündel verarbeitet. Wilde Küche – herrlich! Es ist doch soo faszinierend, was wir von der Natur alles nutzen können.  


Um das Häuschen auf den Winter vorzubereiten, haben wir alle Wasserrohre mit einem Heizkabel umwickelt und mit Schaumstoffrohrverkleidungen ummantelt. So dass es auf keinen Fall wieder einen Wasserschaden gibt – im Jahr vorher hat es unter anderem die Kloschüssel gesprengt, da dort ja immer das Wasser drinsteht und gefriert. Wir haben da mit Alkohol vorgesorgt! 
Mit Wollecken und Folien dichteten wir die Wände ab, welche aufgrund einer noch nicht ganz fertigen Sanierungsarbeit noch nicht isoliert wurden. So wussten wir beim Knistern der Folie meist nicht, ob es der Wind war oder doch die Hausmaus, welche sich täglich an unserem Müll gütlich tat. Es wurde jedenfalls urgemütlich in unserem Wohnzimmer. Bei Kerzenlicht und Feuer im Kamin (welches jeweils natürlich nur 4h Stunden an zwei Tagen die Woche brannte ;-)) spielten wir unzählige Partien Siedler, schnitzen vor dem Feuer, hörten viele Karl May Hörbücher und stimmten uns auf Weihnachten ein. Nicht zu vergessen die so von uns geliebten Vögelein! Der Garten weissbedeckt mit Schnee lockten wir diese mit Vogelfutter auf die eigens für sie gebaute Plattform im Garten, welche von unserer Beobachtungsposition am Kamin sehr gut einsehbar war. Oh, es waren soo viele! Wir haben ihnen stundenlang zugeschaut! 

Ja, genau hinter der Alma steckt ein Wohlfühlort zum Zeit haben und doch nicht nichts zu tun. Eine Oase um kreativ zu werden, Neues zu entdecken oder einfach nur zu sein.

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